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Verantwortung

"Es ist nicht Deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist,
es wär nur Deine Schuld, wenn sie so bleibt"
Die Ärzte - Deine Schuld


Was aber bedeutet es denn jemandem Schuld zuzuschreiben und welche Vorstellungen stehen dahinter?

Schuld ist ein grundsätzlich negativer Begriff, "Verantwortung" hingegen weniger negativ, aber ebenso erdrückend. Verantwortung zu übernehmen ist mit einer Menge Anstrengung, mit Risiko und Unsicherheit verbunden.
In einer Gesellschaft, die von Instabilität und damit von Unsicherheit geprägt ist, wird der Mensch beständig mit Unsicherheit konfrontiert. Was bedeutet es Geld in eine Wohnung zu investieren, wenn man nur auf vier Jahre befristet angestellt ist? Was bedeutet es, Vertrauen und Mühe in eine Beziehung zu stecken, wenn eine Beziehung im Durchschnitt von kürzerer Dauer ist, als ein Zeitungsabo – was aber bedeutet es, sich nicht in einer Beziehung zu bemühen? Was bedeutet es, eine Stelle für eine andere aufzugeben und was bedeutet es sich dafür zu entscheiden Mathematik als Hauptfach und nicht als Lehramt zu studieren?
All das sind Risiken, die wir uns nicht aussuchen bzw. deren Alternativen ebenso wenig hergeben. Die Entscheidung ein Leben als Single zu verbringen ist nicht notwendigerweise attraktiv, wenn auch der/die eine oder andere Gefallen daran findet. Sich für kein Studium zu entscheiden, sondern gleich in die Arbeitswelt einzutauchen trägt ein genauso großes Risiko in sich und hat den bitteren Beigeschmack von Vornherein aufgegeben zu haben.

Nicht jeder erträgt dieses Risiko, Menschen zerbrechen daran, fühlen sich überfordert, betteln und flehen nach Halt und Sicherheit, sie suchen Sicherheit in Beziehungen, die dann doch wieder zerbrechen, in Gruppen, die Ihnen Regeln vorschreiben die sie nur annehmen, um etwas zu haben, an das sie sich halten können, auch wenn sie nicht dahinter stehen.


"Mit großer Kraft kommt auch große Verantwortung"
der liebe Onkel von Spiderman


Zusagen, jemand trägt die Verantwortung für etwas, ist nur dann gerechtfertigt, wenn er auch etwas tun kann oder tun hätte können, ja Macht ist nicht nur, wie im Zitat vom lieben Onkel Spidermans eine hinreichende, sondern auch eine notwendige Bedingung für Verantwortung. Wenn wir nun also sagen, jemand habe die Schuld daran, wenn die Welt bleibt, wie sie ist, dann behaupten wir, er hätte die Macht gehabt etwas zu ändern.
Wer derartiges äußert verschweigt aber, ohne es zu wollen eine Tatsache, nämlich die, dass manche Menschen mehr Macht haben, als andere.

Jeder, so sagt man, hat die Möglichkeit etwas zu ändern, es nicht zu versuchen bedeutet bereits aufgegeben zu haben, das sagt mir der eine oder andere Sticker, der auf den Uniklos klebt. „Kämpf für Deine Recht“ - „Es gibt dumme Politiker, die ihr Mandat klugen Leuten verdanken, die am Wahltag daheim bleiben.“ Wer aufgegeben hat, so habe ich auch schon gehört, habe kein Recht sich zu beschweren, wer nicht im Audimax war, der bestätige mit seinem Schweigen, dass alles passt.

Aber ist die Möglichkeit etwas zu ändern alleine genug um die Verantwortung für etwas zu tragen? Woher nimmt man den Schluss von der Möglichkeit auf die Pflicht, denn Verantwortung für etwas zu haben ist mit der Pflicht verbunden zu entscheiden. Es geht so gut wie immer mehr, als man tut, wer sich eine Pizza kauft, der ist ein schlechter Mensch, denn er könnte auch Wasser und Mehl fressen und sein Geld in das Wohl der Menschheit stecken. Wer sich einen Big Mac kauft, ist für das die Abholzung des brasilianischen Regenwaldes verantwortlich und wer sich billige Kleidung kauft legitimiert Kinderarbeit. Wem wir Verantwortung zuschieben, von dem verlangen wir Entscheidungen, wem wir auf Grund der nicht vollständig genutzten Möglichkeit etwas zu ändern die Schuld am Elend der Welt zuschreiben, von dem verlangen wir absolute Aufopferung für das Wohl der Welt.

Wo beginnen wir jemandem Unrecht zu tun, wenn wir ihn für etwas verantwortlich machen, wo beginnt unser Verlangen eine Zumutung zu werden, jemandem eine Last aufzubürden, die er nicht zu tragen hat, ihn unter Druck zu setzen, ihn in seinem Kampf um Sicherheit mit Problemen konfrontieren, an denen er vor der verzweifelten Wahl steht sich selbst etwas gutes zu tun, das er durchaus verdient hat und dafür am Elend der Welt Schuld zu tragen, oder sich der völligen Kontingenz hinzugeben und möglicherweise daran zu zerbrechen?


"Zuerst kommt das Fressen, dann die Moral"
frei nach Berthold Brecht


...doch irgendwann, so will ich auch einräumen, hat man genug gefressen und es ist Zeit für die Moral Platz zu machen. So soll mein Beitrag jetzt nicht dergestalt verstanden werden, dass ich den infantilen Egoismus legitimieren will, doch sollten wir in einer Welt, in der Millionen von Menschen an der Unsicherheit mehr oder weniger zerbrechen, vorsichtig sein, auf wen wir mit dem Finger zeigen, wenn wir nach Schuldigen suchen und uns fragen, was wir von jemandem verlangen und was wir ihm antun, wenn wir ihm Verantwortung zuschreiben.
10.2.10 21:30
 


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