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So einmal im Jahr stoplere ich dann doch wieder über meinen Blog und bin dann erstaunt und angeregt etwas zu schreiben. Hab' die letzten Tage irgendwann meinen Blog durchforstet und meine Vergangenheit erkundet. Verblüffend, wie sauer ich sein konnte, wo ich mittlerweile vielleicht nicht ruhig aber doch ziemlich beherrscht bin. Ich habe mich mir selbst und meiner Vernunft unterworfen, und da stellt sich die Frage, warum ich früher so emotional sein konnte, und was es bedeutet, dass das jetzt scheinbar nicht so ist. Das lässt sich vielleicht leicht mit einer jugendlichen Wildheit und einer typischen Pubertät erklären, aber ich denke damit scheibt man einen Prozess, der mich doch erstaunt hat, einfach zur Seite und bezeichnet ihn als natürlich. Man erklärt ihn, statt dass man ihn versteht - man führt das Ganze auf "so etwas wie "Naturgesetze" zurück, fragt aber nicht mehr, was diese Veränderung bedeutet.
Ich bin müde, und will jetzt nicht darüber nachdenken. Aber ich wollte einmal die Frage aufwerfen. So für mich, oder sonstwen (im Grund ließt ja außer - vielleicht - Clara und Steffi keiner meinen Blog).

Interessant aber, worauf ich noch gestoßen bin: einen Eintrag aus 2008, der selbst etwas aufgreift, das ich geschrieben habe, als ich 19 war, also etwa 2005 oder 2006. Ich muss damals jedenfalls noch in der Schule gewesen sein.
"True Words - Teil 1: About Dreams and Goals" habe ich diesen Text genannt.

„Brot erwerben, Traum in Scherben, weiter werben“ (Wir sind Helden - Heldenzeit). Diese drei Phrasen haben ich damals aufgegriffen, um zu betonen, wie ich mein Leben nicht verbringen wollte: mir irgendeinen Brotjob suchen, meine Träume aufgeben, und weiter Brot verdienen. Man beachte, dass ich von Brot gesprochen habe, nicht von Lachs und Karviar; dass ich von dem gesprochen habe, was ich brauche, um "weiter werben" zu können, und nicht von dem gesprochen habe, was ich will. Während des Zivildienstes gab es Phasen, die ich mit dem französischen Sprichwort "Metro - Boulot - Dodo" (U-Bahn fahren, Hackln, Heidi-Machen) umschrieben habe, was in seiner Tristesse eine gewisse Ähnlichkeit hat, aber doch zeitlich begrenzt (und verpflichtend) war. War keine so schöne Zeit, aber sie ist Vergangenheit.
Heute - ich erwerbe kein Brot, sondern ich bekomme es dafür, dass ich tue, was ich auch tun wollen würde, würde ich kein Brot dafür bekommen: Studieren bzw. an der Uni arbeiten, wenn auch nur als Tutor.
"The light at the end of the tunnel might be the light of the uncoming train" (angeblich von Oscar Wilde), ein warnender Spruch, der mir die letzte Zeit immer wieder kommt. Was, wenn ich mein Studium abgeschlossen habe? Mit meinem 27.Geburtstag verliere ich meine Halbwaisenpension, was wohlbedeutet, dass ich mich selbst um mein Brot kümmern muss. Aber so groß meine Zweifel auch sind, ich habe in meinem kurzen Leben die Erfahrung gemacht, dass es weiter geht. Es kann tatsächlich passieren, dass es schlechter weitergeht, als es jetzt ist, aber es wird weiter gehen, und ich bin zuversichtlich, dass mein Leben mehr Wert haben wird, als ein paar Scheiben Brot.

Mein Licht ist aber nicht das Ende der Stuiums, sondern der Anfang einer wissenschaftlichen Karriere. Auch wenn das Licht am Ende des Tunnels das Licht des Zuges ist, der auf mich zurast - und "zurast" ist das richtige Wort - sieht mein Leben so aus, als würde ich weiterhin auf den Zug zugehen.

"Wenn ich keine Ziele habe, dann sind hoffnungslose Träume das nächst-sinnvollste. Was sollte ich sonst tun?"

Selbst wenn es keine Hoffnung gibt, so meinte ich damals, gibt es scheinbar nichts sinnvolleres, als trotzdem weiter zu gehen. "Was soll ich sonst tun?" Selbst wenn das Licht am Ende des Tunnels das Licht des ankommenden Zuges sein könnte, ja selbst wenn es sogar sehr wahrscheinlich der Fall ist, stellt sich die Frage, was mir sonst noch übrig bleibt. Den Tunnel nicht weitergehen? Umdrehen, und mich in den Alptraum des "nackten Lebens" (Foucault) werfen? "Brot erwerben, Traum in Scherben, weiter werben?" Einem anderen Licht folgen, bei dem sich erneut die Frage stellt, ob es nicht das Licht des ankommenden Zuges ist? Hm,... man mag die Augen öffnen und vielleicht sehen, dass das Licht vielleicht wirklich das Licht eines Zuges ist, aber ist die Dunkelheit des nackten Lebens, die Trockenheit des Brotes ohne Butter, besser als der Zug, der einen wahrscheinlich überrollt?
"It's better to burn out, than to fade away" (Neil Young - My My). Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, ob es besser ist auszubrennen. Neil Young mag den Zug vorziehen, ich selbst ... auch. Ich versuche trotzdem in die Wissenschaft zu gehen, und riskiere dabei von einem Zug überrollt zu werden. Vielleicht gehe ich aber auch wirklich nur derart stur auf das Licht am Ende des Tunnels zu, weil ich weiß, dass ich als Mann mit einem Pädagogik-Abschluss in die Praxis gehen kann, die für mich nicht gerade das schrecklichse ist, was ich mir vorstellen kann. Die Praxis wäre vielleicht das Schinkenbrot, und stehen bleiben würde ich sowieso nicht. Es gibt also nicht nur die Alternative auszubrennen oder langsam zu verwelken.
"Brot erwerben, Traum in Scherben, weiter werben" - das mache ich einfach nicht mit. Selbst wenn das Licht am Ende des Tunnels wirklich einem ICE gehört, ich werde nicht als nacktes Leben, als bedeutungsloser, als subjektloser Körper, enden (sic!). "Brot erwerben, Traum in Scherben, neu orientieren" - so sieht es aus, wenn sich das Licht nicht als das herausstellt, wovon ich hoffe, dass es das ist. Und ein "hoffnungsloser Traum" ist es nicht, wenn erst einmal der Glaube sterben muss. Ich glaube sogar noch immer, dass mich das Licht am Ende des Tunnels nicht enttäuschen wird. Ich glaube das deshalb, weil ich mich in einer Hinsicht weiterentwickelt habe:

"Tu was du willst", so heißt ein Buch von Fernando Savater, das mir Daniel Feyerl einmal empfohlen hat. Ich habe das Buch damals gelesen, ihm aber nicht so viel Bedeutung gegeben. Ich weiß auch gar nicht, ob ich das Buch je ein zweites Mal komplett gelesen habe, jedenfalls aber gibt es Stellen, die ich mir erneut angeschaut habe. Savater erzählt eine Geschichte, der er, wenn ich mich nicht irre, von Aristoteles übernommen hat. In dieser Geschichte geht es um einen Kapitän, der auf seinem Schiff in einen heftigen Sturm gerät, der das Schiff wohl zum sinken bringen würde. Er kann dies aber verhindern, indem er die Fracht über Bord wirft. Die Fracht ist ziemlich kostbar, und der Kapitän würde am liebsten die Fracht sicher in den Hafen bringen, aber leider stürmt es nuneinmal, und er muss eine Entscheidung fällen: wirft er die Fracht über Bord, oder geht er mich seinem Schiff unter? Es mag eine unheimlich unschöne Situation sein, aber letztendlich hat der Kapitän eine Wahlfreiheit. Er kann nicht zwischen allem wählen, was er sich nur wünscht, aber er hat eine Alternative. Es gibt immer Alternativen, und wenn die Alternative der (symbolische) Tod ist.
Ich denke, ich bin jetzt einwenig abgekommen. Die Einsicht, dass auch der (symbolische) Tod eine Alternative ist, für die man sich entscheiden kann, ist sicher ein Teil meiner Enwicklung, aber eigentlich will ich einen anderen Entwicklungsstrang betonen, der mehr mit dem Titel des Buches zu tun hat- und ich denke, dass es etwas ist, das ich vor allem in meiner (finanziell erfolgslosen) Zeit in der Vermögensberatung gelernt habe. Es ist eine bestimmte Haltung: Die Frage, die ich mir stellen sollte, wenn ich etwas will, ist nicht "wie groß ist die Chance"?, sonder "was muss geschehen, dass ich es bekomme?" bzw. "was kann ich tun, um es zu bekommen?".
Man kann oft mehr tun, als man denkt, die Frage ist nur, ob es die Sache Wert ist - und wenn sie das Wert ist, dann will man es tun. Auch wenn man eine gewisser Unlust dabei verspürt, das Ich, die bewusste, die entscheidungsfällende Instanz im Subjekt, entscheidet sich für etwas das es will. Wer ist der Herr meines Hauses? Mein Bewusstsein oder mein Unlustgefühl? Ich hatte schon Prüfungen, auf die ich einen Einser haben wollte. Und die Prüfungen, bei denen ich beschlossen haben, auf einen Einser hin zu lernen, bei denen habe ich einen Einser bekommen. Es waren bisher nur drei Prüfungen, bei denen das der Fall war. Aber bei allen drein ist es mir gelungen.

„Auf der Suche nach Geld, und dessen Trophäen, fickt Ihr Euch durchs Leben..." (Böhse Onkelz - Keine Amnestie für MTV). Ich habe dies damals damit kommentiert, dass man oft seine Träume für Geld verkauft, seine Prinzipien fallen lässt, etc. Wenn wir den Satz einwenig umdrehen, dann könnten wir die Aussage in Bezug auf mein Leben ein Stück weit provokanter formulieren. "Auf dem Weg eure Träume zu erreichen fickt ihr euch durch's Leben!" Oder "fickst du dich durch's Leben!". Ich denke nicht, dass ich mich auf dem Weg zu meinen Träumen durch's Leben ficke. Ich denke nicht, dass ich ein Speichellecker bin. Aber in der Tat habe ich meine Moralappostelei zum Teil aufgegeben. Damals schon habe ich keinen Totalitätsanspruch gehabt:

"Ich will nicht sagen, man sollte immer, um jeden Preis man selbst bleiben. Diese Entscheidung mute ich jedem selbst zu. Ich finde es allerdings traurig sich selbst zu verkaufen."

"Es kann sich sicher auszahlen für 100 000 Euro seine Freunde zu verraten. [...] Wie groß mein eigenes Gewissen ist, weiß ich nicht, aber erfahrungsgemäß würde ich für 100 000 Euro so einiges tun."

Traurigkeit, das ist es wohl, was man von außen sagen kann, und auch in meinem Inneren stellt sich manchmal - wenn auch ziemlich selten - eine leichte Traurigkeit ein, dass ich meine wunderbar idealistische Moralappostelei verloren habe, die mich damals so sauer hat machen können. Aber ich denke, ein treffenderes Gefühl, das den subjektiven Zustand beschreiben würde, wäre "Scham". Ist man selbst denn so wenig Wert, dass man sich für einen Traum verkauft? Heißt das nicht, dass der Traum mehr wert ist, als man selbst? Ich bin nicht besonders weit gegangen, aber ich will mir diese Überlegung eine Warnung sein lassen und mir die Frage stellen, ob es am Ende des Tunnels, selbst wenn das Licht das ist, wovon ich hoffe, dass es das ist, erträglich ist, einen Teil von sich verloren zu haben - oder vielleicht treffender ausgedrückt - eine Leiche im Gepäckt mitschleppt?
"Tu was du willst" - aber eben nur, was du willst. Man muss nicht alles für einen Traum tun. Ebensowenig für ein Ziel. Man hat immer die Wahl, seinen Weg zu verlassen, ja im schlimmsten Fall den symbolischen Tod zu wählen. "Brot erwerben, Traum in Scherben, neu orientieren".
Falls der Traum denn tatsächlich in Scherben zerbricht, wenn man sich nicht verkauf! Es gibt nicht nur "den einen Weg" nach Rom. Es gibt nicht nur eine einzige Möglichkeit zum Licht am Ende des Tunnels zu gelangen, und insofern ist die Tunnel-Metapher vielleicht gar keine so treffende, denn der Weg zu einem Ziel ist kein Tunnel. Viel eher ist er ein Wald, auf dem es leicht begehbare Wege und kleine Trampelpfade gibt, genauso wie man querfeldein gehen kann, und wenn es notwendig sein muss mit einer Machete ein paar Hindernisse aus dem Weg räumen. Vielleicht verliert man einwenig das Ziel aus den Augen, verirrt sich einwenig, man weiß nicht mehr in welche Richtung Rom liegt, aber wenn man immer weiter versucht nach Rom zu kommen, dann ist die Chance gar nicht so gering, dass man hinkommt. Selbst wenn man irgendwann plötzlich wieder in Wien steht, und den Weg von vorne gehen muss, oder gar in Wladiwostok, und dann weiter weg vom Ziel ist, als je zuvor. Man kann sich dann aber erneut überlegen: Will ich wirklich die weite Reise antreten, oder will ich nicht lieber ein neues Ziel anstreben? Ist Rom es denn wirklich wert?

Und wenn es das nicht ist, um nun den letzten der drei Songs, die ich in meinem damaligen Text angesprochen habe, aufzugreifen, dann landen der Cirkus Maximus vielleicht auf dem imaginären "Boulevard of Broken Dreams". Eine traurige Sache, aber man fällt nicht tot um. "Brot erwerben, Traum in Scherben, neu orientieren". Dazu abschließend vielleicht etwas, was ich vor ein paar Monaten geschrieben habe. Auch wenn ich es "ästhetisch" nicht gut erzählt finde.



Schonmal verloren?
Natürlich.
Und was ist passiert?

Es gibt Menschen, die nur einen Weg sehen,
einen Weg, zu dem es keine Alternativen gibt,
das Problem: auf diesem Weg kann man sich verirren,
man kann überfallen werden,
man kann zu langsam sein,
man kann den Weg hassen lernen,
man kann an dem Punkt ankommen, den Weg zu hassen,
man kann dan Leben hassen, sich selbst hassen,
und dann am Ende vor Hass und Erschöpfung zusammenbrechen.

Und dann?
Man kniet auf dem Boden eines gepflasterten Weges,
die Knie bluten,
die Ellenbogen sind aufgeschürft,
die Sonne brennt einem auf den Rücken,
und man sieht zu, wie ein Tor den Weg versperrt.
Der Weg ist zu Ende,
und doch konnte man ihn nicht bis zum Ende gehen.
Die Tore sind verschlosssen, und sie bleiben verschlossen.

Und dann?
Man bleibt liegen,
man weint,
und dann kriecht man auf allen Vieren vom Weg herunter,
hin zum nächsten schattigen Baum.
Man zittert am Körper,
nicht weil einem kalt ist, sondern vor Schmerz,
so lange ist man diesen Weg gegangen,
einen Weg, den man gehasst hat,
und dann verschließen sie einem die Tore.

Und dann?
Ungewissheit.

...man fällt nicht tot um, wenn einem die Tore verschlossen werden.
...es kann beschissen sein,
...es kann auch passieren, dass es nicht beschissen wird,
...aber es passiert etwas.
Muss man jeden Weg zu Ende gehen?
Kann man jeden Weg zu Ende gehen?
Und warum will man etwas, was man nicht will...
...nämlich einen Weg entlang gehen, den man hasst?
...um ein Ziel zu erreichen, das man vielleicht genausowenig mag?

Man kann im Leben schnell sagen, man hätte aufgegeben,
aber das Aufgeben ist nicht das Ende des Lebens.
Was man aufgegeben hat, das ist etwas spezifisches,
nicht aber das Leben als solches.
Man hat eine Karriere, ein Studium, ein Spiel aufgegeben,
aber nicht das Leben.
Und genauso ist es beim Verlieren.
Man hat etwas spezifisches Verloren,
eine Chance, eine Karriere, einen Menschen,...
aber man hat nicht das Leben verloren.
So erbärmlich das sein kann, was überbleibt,
es bleibt.

Und dann?
Ungewissheit.
UNGEWISSHEIT!
Denn die Zukunft ist nuneinmal ungewiss,
und sowenig wie das Erreichen des Ziel das Heil garantiert,
sowenig garantiert das Verlieren oder das Aufgeben eines Spiels, die ewige Verdammtnis.

Es gibt mehr als einen Weg,
es gibt immer Alternativen,
auch wenn einem keine gefällt.
14.7.11 01:16
 


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